Manchmal will es einfach nicht so laufen, wie man es sich vorstellt. Und ganz ehrlich: so kurz vorm Ziel zu scheitern, das tut schon weh. Ich hatte mir vorgenommen, einen Klettersteig auf der Rax zu machen. Meine Wahl fiel auf den Reißtalersteig (A/B) als Aufstieg und den Gretchensteig (A) für den Abstieg. Mir war bewusst, dass es noch früh im Jahr ist und wahrscheinlich noch Schneefelder liegen. Aber genau das gehört ja irgendwie dazu und ein gewisses Risiko nimmt man auch bewusst in Kauf.
Also ging es früh los. Die Anfahrt dauert knapp zwei Stunden und ist schon ein Erlebnis für sich. Zuerst über Traisen und weiter bis zur Kalten Kuchl. Von dort nach Schwarzau im Gebirge und weiter durch das Höllental. Für mich ist diese Strecke eine der schönsten überhaupt. Zwischen Rax und Schneeberg schlängelt sich diese Straße durch das Tal und wird immer von der Schwarza begleitet. Links und rechts ragen die Felswände auf, während sich die Sonne immer wieder ihren Weg durch Bäume und Berge bahnt und den Fluss zum Glitzern bringt. Ein unglaublicher Naturkontrast aus Schatten und Licht.
Nach Hirschwang an der Rax bog ich Richtung Prein an der Rax ab und fuhr weiter hinauf bis zum Preiner Gscheid. Dort verläuft genau die Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark. Der Parkplatz kostet mittlerweile 5 € und bietet nur Tagestickets. Für so einen einfachen Schotterplatz finde ich 5 € schon happig.
Ich zog mich warm an und packte meinen Rucksack. Ich orientierte mich rasch und machte mich dann auf den Weg. Es war etwas kühler und vereinzelt lag noch Schnee am Wegesrand. Zuerst ging es dem Zipperlingsteig mit der grün-weißen Markierung folgend bis zur unbewirtschafteten Reißtalerhütte, die privat geführt wird. Dort begann es leicht zu schneien – nur ein paar vereinzelte Flocken. Nach der Hütte ging es rechts weiter und man folgt den weiß-gelben Markierungszeichen. Der Weg wurde bald steiler und der Wald lichtete sich allmählich. Ich wanderte über Latschenfelder weiter bis ins schroffe Felsgelände. An der Felswand beginnt schließlich der Klettersteig.
Die Schlüsselstelle war für mich überraschend gut machbar, da sich davor Schnee angesammelt hatte und mir den Einstieg sogar erleichterte. Zudem ist sie mit Klammern gut abgesichert. Danach führte der Steig durchgehend am Seil entlang weiter bis zur Leiter. Währenddessen zeigte sich das Wetter von seiner wechselhaften Seite. Gefühlt im Zehn-Minuten-Takt wechselten sich Sonnenschein und ein wolkenverhangener Himmel ab. Zeitweise begann es auch etwas stärker zu schneien.
Die lange Leiter hinauf und dann noch ein Wechsel auf eine kleinere Leiter. Danach noch ohne Seilsicherung etwas ausgesetzt dem Weg folgen. Anschließend noch ein etwas steileres Stück nach oben und man erreicht das Gedenkkreuz. Genau dort war für mich Schluss. Eigentlich wäre es nicht mehr weit gewesen. Aber an dieser Stelle macht der Fels einen Bogen und dort lag ziemlich viel Schnee. Wegen dieses Bogens konnte ich nicht mehr richtig einschätzen, was mich hinter der nächsten Passage erwartet. Ohne Sicherung hatte ich kein gutes Gefühl mehr. Dazu habe ich mir gesagt: Wenn ich mehr als dreimal überlegen muss, ob ich weitergehen kann – oder wie ich überhaupt wieder zurückkomme – dann breche ich ab. Also bin ich umgedreht. Es war keine leichte Entscheidung, aber Sicherheit geht vor. Dazu fing es auch wieder leicht an zu schneien. Das nenne ich mal Pech: den kompletten Klettersteig geschafft und dann am Ausstieg zu scheitern.
Der Abstieg über den gleichen Weg war mühsam, machte aber auch ein wenig Spaß. Die Schlüsselstelle über den Schneehaufen klappte problemlos und bald war ich wieder im schroffen Felsgelände. Eigentlich wollte ich danach direkt zurück zum Auto. Doch unterwegs hinab hatte ich ein Schild zum Wetterkreuz gesehen. Dort zweigt ein Verbindungsweg weiter zum Gretchensteig ab. Also dachte ich mir: ein Versuch geht noch.
Also wieder ein paar Höhenmeter nach oben. Ich erreichte recht bald den Einstieg des Klettersteigs und legte sogar noch ein paar weitere Höhenmeter zurück. Doch das Wetter schlug komplett um. Innerhalb kürzester Zeit zog es zu und dann begann es sogar stärker zu schneien. Ich schaute noch einmal auf die Uhr und entschied mich zur endgültigen Umkehr. Die Heukuppe hätte ich sowieso nicht mehr geschafft und die Heimfahrt stand auch noch bevor. Also ging ich wieder zurück zur Einstiegsstelle.
Dort angekommen folgte ich dem Weg nun runter wieder weiter mit der grün-weißen Markierung zurück zur Reißtalerhütte. Während des Abstiegs wechselte das Wetter noch mehrmals zwischen Sonne und Wolken. Auch die Aussichten waren weiterhin sehr schön, allerdings musste ich wegen einiger kleiner Schneefelder immer wieder aufpassen. Bald schloss sich der Kreis und ich stand wieder bei einem bekannten Schild. Von dort ging es weiter zu einem weiteren Wegweiser und der Rückweg zum Auto führte schließlich über den weiß-gelb markierten Reißtalersteig. Am Ende stand ich wieder beim Parkplatz. Schnell darauf zog es erneut zu, als wollte mir der Berg noch einmal zeigen, dass die Entscheidung richtig war.
Auch wenn ich mein Ziel an diesem Tag nicht ganz erreicht habe, war es eine schöne Tour bei wechselhaftem Wetter. Ich war rund 12 Kilometer unterwegs und der leichte Schneefall zwischendurch hat die Tour noch einmal besonders stimmungsvoll gemacht. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen und freue mich schon darauf, den Klettersteig noch einmal zu machen.
























Info: Hier mehr zur Tour zum Reißtalersteig mit dem Gretchensteig
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