Kamerasensoren von Vollformat bis APS-C und MFT einfach erklärt

Wer sich mit Fotografie beschäftigt, stößt früher oder später auf Begriffe wie DSLR, Vollformat, APS-C oder Micro Four Thirds (MFT). Gerade am Anfang wirken diese Bezeichnungen oft verwirrend. Dabei sind sie gar nicht so kompliziert.

In diesem Artikel erfährst man Schritt für Schritt, was hinter diesen Begriffen steckt, wie sie zusammenhängen und welche Auswirkungen sie auf Fotos und Objektive haben.

Der Kamerasensor – das Herz jeder Digitalkamera

Der Sensor ist das digitale Gegenstück zum früheren Kleinbildfilm. Das Licht fällt durch das Objektiv auf den Sensor, der es in elektrische Signale umwandelt. Daraus entsteht schließlich das fertige Bild.

Die Größe des Sensors hat Einfluss auf verschiedene Eigenschaften eines Fotos.

Warum ist die Sensorgröße wichtig?

Lichtaufnahme

Je größer der Sensor bei vergleichbarer Technik ist, desto mehr Gesamtlicht kann er aufnehmen. Das führt häufig zu weniger Bildrauschen und einem größeren Dynamikumfang – besonders bei schlechten Lichtverhältnissen.

Schärfentiefe und Hintergrundunschärfe

Mit einem größeren Sensor lässt sich bei gleichem Bildausschnitt einfacher eine geringe Schärfentiefe erzielen. Dadurch verschwimmt der Hintergrund stärker und ist ein Effekt, der besonders bei Porträts beliebt ist.

Bildausschnitt (Crop-Faktor)

Ein kleinerer Sensor verändert nicht die Brennweite des Objektivs, sondern erfasst einen kleineren Bildausschnitt. Dadurch wirkt das Motiv näher. Diesen Effekt nennt man Crop-Faktor.

Man kann sich den Sensor wie einen Keks vorstellen:

  • 🍪 Großer Keks = fängt viele Lichtkrümel ein.
  • 🍪 Mittlerer Keks = fängt immer noch viel Licht ein.
  • 🍪 Kleiner Keks = fängt weniger Licht ein, ist dafür aber leichter und kompakter.

DSLR – die Bauweise der Kamera

Bevor wir die verschiedenen Sensorgrößen betrachten, lohnt sich ein Blick auf den Begriff DSLR.

DSLR steht für Digital Single Lens Reflex, also digitale Spiegelreflexkamera.

Hier beschreibt der Begriff nicht die Sensorgröße, sondern die Bauweise der Kamera.

So funktioniert eine DSLR

  • Das Licht fällt durch das Objektiv.
  • Ein Spiegel lenkt das Licht in den optischen Sucher.
  • Beim Auslösen klappt der Spiegel nach oben.
  • Erst dann trifft das Licht auf den Sensor und das Bild wird aufgenommen.

Vorteile

  • optischer Sucher ohne elektronische Verzögerung
  • große Auswahl an Objektiven
  • bewährte Technik

Nachteile

  • größer und schwerer
  • Spiegel verursacht zusätzliche Mechanik

Und was ist mit spiegellosen Kameras?

Heute setzen fast alle Hersteller auf spiegellose Systemkameras (Mirrorless). Sie besitzen keinen Spiegel und sind dadurch kompakter und leichter. Vollformat- sowie APS-C- und MFT-Sensoren gibt es sowohl in DSLRs als auch in spiegellosen Kameras.

Vollformat – der große Sensor

Der Vollformatsensor entspricht ungefähr der Größe des klassischen 35-mm-Kleinbildfilms.

Größe: etwa 36 × 24 mm

Vorteile

  • hervorragende Bildqualität
  • sehr gutes Rauschverhalten bei wenig Licht
  • einfacher geringe Schärfentiefe und schönes Bokeh erzielen
  • großer Bildwinkel bei Weitwinkelobjektiven

Nachteile

  • höhere Anschaffungskosten
  • größere und schwerere Kameras und Objektive

Praxisbeispiel

Du fotografierst eine Person bei Sonnenuntergang. Mit einer Vollformatkamera lässt sich der Hintergrund besonders weich verschwimmen, während gleichzeitig viele Details erhalten bleiben.

Merksatz

Vollformat = großer Sensor → beste Bildqualität, viel Licht und besonders gute Möglichkeiten zur Hintergrundunschärfe.

APS-C – der vielseitige Allrounder

APS-C-Sensoren sind kleiner als Vollformat und kommen sowohl in DSLR- als auch in spiegellosen Kameras häufig zum Einsatz.

Größe: etwa 22–24 × 15–16 mm

Crop-Faktor: ungefähr 1,5× (Sony, Nikon, Fujifilm) bzw. 1,6× (Canon).

Vorteile

  • günstiger als Vollformat
  • kompaktere Kameras
  • kleinere und leichtere Objektive
  • sehr gute Bildqualität

Nachteile

  • etwas stärkeres Bildrauschen bei wenig Licht
  • geringere Möglichkeiten zur Hintergrundunschärfe

Praxisbeispiel

Ein 200-mm-Objektiv liefert an einer APS-C-Kamera ungefähr den gleichen Bildausschnitt wie ein 300-mm-Objektiv an einer Vollformatkamera. Die Brennweite bleibt zwar 200 mm, durch den kleineren Sensor wirkt das Motiv jedoch näher.

Merksatz

APS-C = der ideale Kompromiss zwischen Preis, Bildqualität und Größe.

MFT – der leicht und reisefreundliche

MFT steht für Micro Four Thirds.

Dieser Sensor ist kleiner als APS-C und wird vor allem in kompakten spiegellosen Kameras eingesetzt.

Größe: etwa 17 × 13 mm

Crop-Faktor:

Vorteile

  • sehr leichte Kameras
  • kompakte Objektive
  • ideal für Reisen sowie Wanderungen und Street-Fotografie

Nachteile

  • etwas stärkeres Bildrauschen bei wenig Licht
  • geringere Möglichkeiten für ausgeprägte Hintergrundunschärfe

Praxisbeispiel

Auf einer Städtereise möchtest du möglichst wenig Gewicht tragen. Eine MFT-Kamera passt oft problemlos in eine kleine Tasche und liefert dennoch eine sehr gute Bildqualität.

Merksatz

MFT = klein sowie leicht und ideal für unterwegs.

Der Crop-Faktor einfach erklärt

Viele Einsteiger glauben, dass sich die Brennweite eines Objektivs verändert.

Das stimmt nicht.

Ein 50-mm-Objektiv bleibt immer ein 50-mm-Objektiv.

Der kleinere Sensor zeigt lediglich einen kleineren Ausschnitt des Bildes.

Deshalb wirken Motive näher.

Beispiele

  • Vollformat: 50 mm → 50 mm Bildwirkung
  • APS-C (1,5×): 50 mm → Bildausschnitt wie 75 mm
  • MFT (2×): 25 mm → Bildausschnitt wie 50 mm

Sensorgröße und Kameragröße

SensorKameragrößeGewichtVorteileNachteile
Vollformatgroßschwerbeste Bildqualitätteuer und schwer
APS-Cmittelmittelguter Allrounderetwas weniger Lichtreserve
MFTkleinleichtideal für Reisengeringere Freistellung

Sensorgröße und Objektive

SensorBildausschnittObjektivgrößeTypische Wirkung
VollformatoriginalgrößerWeitwinkel und Tele wie angegeben
APS-Cca. 1,5× CropkleinerMotiv wirkt näher
MFT2× Cropsehr kompaktnoch engerer Bildausschnitt

Anschaulich erklärt

Der Keksvergleich

🍪 Vollformat = großer Keks – fängt viele Lichtkrümel ein.

🍪 APS-C = mittlerer Keks – guter Kompromiss.

🍪 MFT = kleiner Keks – leicht und praktisch.

Der Fenstervergleich

Ein großes Fenster lässt viel Licht herein.

Ein kleines Fenster lässt weniger Licht herein.

Genauso verhält es sich vereinfacht auch mit unterschiedlich großen Sensoren.

Zusammenfassung

  • DSLR beschreibt die Bauweise einer Kamera mit Spiegel.
  • Vollformat sowie APS-C und MFT bezeichnen unterschiedliche Sensorgrößen.
  • Größere Sensoren bieten meist Vorteile bei Bildrauschen und Schärfentiefe.
  • Kleinere Sensoren ermöglichen kompaktere und leichtere Kameras.
  • Der Crop-Faktor verändert nicht die Brennweite, sondern den Bildausschnitt.

Kurz-Merksätze

📷 Vollformat = maximale Bildqualität und beste Freistellung.

📷 APS-C = ausgewogener Allrounder.

📷 MFT = leicht sowie kompakt und ideal für unterwegs.

Mit diesem Wissen kann man nun besser einschätzen, welche Kamera am besten zu seinen Ansprüchen passt. Ganz gleich, ob man Landschaften, Porträts, Reisen oder Street-Fotografie bevorzugt.


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